Thomas Höffgen - Schamanismus bei den Germanen. Götter, Menschen, Tiere, Pflanzen (2017)
Unter Voodoo-Priestern in Westafrika
Der Tod ist nicht das Ende!
Super Buch über die religiöse Weltanschauung der Mitteleuropäer!
Voodoo und Fetisch-Kult schließen einander nicht aus
Alle Menschen haben Angst vor dem Tod. Es ist ein so schrecklich endgültiges Ereignis...
Der Göttertrank
Der Göttertrank
Der Göttertrank
Der Göttertrank

Der Göttertrank

Schon seit Urzeiten nützten die Inkas den Göttertrank, um mit den Göttern in Kontakt zu treten. Lesen Sie wie seltsam die Maestros aus dem peruanischen Urwald zum Göttertrank kommen...

Ayahuasca manu,
Ayahuasca manu,
Ayahuasca manu...

Langsam und rhythmisch singt uns der Schamane Carlos den Anrufungstext in einer uns unverständlichen Sprache vor. Im Refrain stimmt die Gruppe ein und folgt damit den uralten Über- lieferungen zur Anrufung des Führungsgeistes.

Ayahuasca manu,
Ayahuasca manu...
noch heute klingt dieser einfache Refrain in meinem Ohr nach und ich singe ihn innerlich wieder und wieder, während ich diese Zeilen schreibe. Es versetzt mich zurück nach Peru.

In einen kleinen Raum haben wir uns unter der Führung von Carlos zurückgezogen. Es ist kurz vor Mitternacht. Draußen scheint ein runder Mond vom klaren Sternenhimmel. Im Zimmer ist es dunkel. Am Boden haben wir unsere Decken ausgebreitet. Hinlegen sollen wir uns, gibt Carlos seine Anweisungen. Das Licht des Mondes scheint durch das kleine Fenster in den Raum.

Das Mondlicht und eine kleine flackernde Kerze hüllen den Raum in ein gespenstisches Licht. Wir alle sind aufgeregt. Was wird uns da wohl erwarten? Für Carlos gehören solche Rituale zum schamanischen Alltag. Die Erklärungen zum Ritual haben für uns nicht viel hergegeben. Nur, dass es sich um den Göttertrank der peruanischen Schamanen handeln soll.

Was heißt Göttertrank? Er besteht aus einer speziellen Mischung, aus drei verschiedenen, im Urwald wachsenden Pflanzen. Eine Liane ist dabei und die Blüten einer anderen, und noch eine dritte Urwaldpflanze. Für uns ein Buch mit sieben Siegeln.

Zwei Tage und zwei Nächte lang werden die Pflanzen nach überliefertem Ritual von den Medizinmännern der Urwaldindianer gekocht und zubereitet. Wo die Pflanzen wachsen, wissen die Schamanen selbst nicht genau. Es gibt keine bekannten Stellen.

Die, zum Brauen des Tranks berechtigten Schamanen werden von der Ayahuasca Pflanze gerufen, sobald sie bereit ist, den Menschen zur Heilung zu dienen, erklärt Carlos.

Unverständlich. Für uns. Die Pflanzen rufen den Heiler, wenn sie bereit sind, den Menschen zur Heilung zu dienen. Eine völlig fremdartige Sicht und Ausdrucksweise. Wie soll das funktionieren?

Schnatternd wie die Hühner bestürmen wir Carlos mit unseren Fragen.
Nach der Einnahme des Ayahuasca-Getränks nimmt der Schamane Kontakt mit den Pflanzen auf und lässt sich in den Visionen die Stelle im Urwald zeigen, wo er die Pflanze dann finden kann. Aha. Und so geht das schon seit Generationen.

Forschungen haben ergeben, dass das Ayahuasca-Getränk schon in den Hochkulturen vor der Inkazeit eine wichtige spirituelle Bedeutung besaß. Mindestens seit dieser Zeit wird es von den Priestern und Heilern verwendet, um den direkten Kontakt zur Gottheit zu bekommen.

Liane des Todes wird sie auch genannt. Dieser Name trägt nicht gerade zur Beruhigung der Gruppe bei. Heute gibt es in ganz Peru angeblich nur mehr fünf "Maestros", die zur Zubereitung des Ayahuasca befugt sind. Auch braucht es zur Anwendung und Verabreichung des Göttertranks ganz spezielle Einweihungen auf der Stufenleiter am Weg des Schamanen. Nicht jeder Schamane ist berechtigt mit Ayahuasca zu arbeiten. Carlos ist dazu befugt und hat von seinem Lehrer die nötigen Einweihungen erhalten.

Das beruhigt uns ein wenig. Aber eigentlich wissen wir immer noch nichts.
Wissen, wissen, wissen...
die Westler müssen immer alles wissen. Carlos völlig ruhig, ist geduldig mit der Gruppe. Doch ich, da ich ihn nun doch schon ein paar Jahre kenne, merke, dass ihn unser Gehabe schon ein wenig nervt.

Und dann seine Antwort an ein Gruppenmitglied, das den Verstand und die völlige Kontrolle des Verstandes absolut nicht aufgeben kann: "Nimm deinen Kopf, lege ihn auf die Seite und lass ihn da für den Rest des Abends liegen!" Die Botschaft kommt klar an. Lasst doch endlich los.

Es gibt einfach Dinge zwischen Himmel und Erde, die über den Verstand hinausgehen. Unser Verstand ist viel zu kleinmütig, um etwas Unerklärliches, Unfassbares erklären oder erfassen zu können. Niemand wird gezwungen an der Zeremonie teilzunehmen. Alles ist freiwillig. Fast.

Denn ein "purer Zufall" verhindert das Dabeisein von zwei Personen. Zwei Reiseteilnehmerinnen bekommen am Nachmittag vor der Zeremonie leichtes Fieber. Das Fieber verhindert deren Teilnahme. Der Ayahuasca wählt sich selbst aus, wer beim Ritual dabei sein darf und wer nicht.

 

Lesen sie in der nächsten Ausgabe was Kurt Fenkart für eine Lektion bekommt...

Kurt Fenkart

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