Thomas Höffgen - Schamanismus bei den Germanen. Götter, Menschen, Tiere, Pflanzen (2017)
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Unter Schamanen in der Mongolei
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WEIHE - NACHT
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WEIHE - NACHT

Als die Germanen Christen wurden übernahmen sie ihr altes Fest der Weihe-Nacht. "Weih" in Weihnacht geht zurück auf das althochdeutsche "wîh", welches als Adjektiv 'heilig', als Substantiv, 'Heiligtum, Tempel', bedeutete.

Die exakt astronomische Wintersonnenwende ist der 24. Dezember. Am 21. Dezember erreicht die Sonne Ihren tiefsten Stand. Am 22. Und 23. Dezember bleibt sie auf diesem tiefsten Stand! Erst am 24. Dezember nimmt sie das erste mal wieder zu. Das Licht wird geboren...

Die Nacht der Wintersonnenwende ist die "Weihe - Nacht". In dieser "hochheiligen" Nacht wird  "das Licht-Kind" geboren, die neue Sonne, die zu Ostern das große Wunder der "Auferstehung" der Natur bringen wird.

Die "Weihe - Nacht" wurde vorchristlich auch "Mutternacht" genannt. Denn in dieser Nacht gebiert die Mutter-Göttin (das Christentum setzte an diese Stelle Maria) tief in der finsteren Erde (repräsentiert durch eine Höhle, später abgelöst durch die Krippe) in der stillsten aller Stunden das Sonnenkind (Christus).

Schon vor dem Christentum feierten viele Kulturen die Wiedergeburt der Sonne und des Lichtes.

Beispiele sind der aus Persien stammende Mithras-Kult, in Ägypten gebar die Gottesmutter Isis den Himmelsgott Horus.
Im alten Griechenland wurde Dionysos als göttliches Kind als Erlöser und Gott der Fruchtbarkeit und des Wachstums verehrt. Während der Winterzeit übernahm er die Aufsicht über das Orakel von Delphi...
Auch für die Inkas in Peru war die Wintersonnenwende  (auf der Südhalbkugel am 24. Juni) die wichtigste Feier im Jahreskreis. 

Mit der Ausbreitung des römischen Reiches wurde die Wintersonnwende dann zum römischen Staatsfeiertag ausgerufen als Geburtstagsfeier des "sol invictus" - der unbesiegbaren Sonne.
Um 330 schließlich erklärte Kaiser Konstantin das Christentum zur römischen Staatsreligion und funktionierte den alten Sonnengott um in den neuen Christengott, der als "lux mundi" - als Licht der Welt - gefeiert wurde. 

In Deutschland wurde dieser Feiertag erst 813 anerkannt und löste damit das altgermanische Julfest ab.

Das Julfest ist ein mehrere Tage dauerndes Sonnen- und Fruchtbarkeitsfest, das mit verschiedenen Ritualen zur Neuaktivierung der natürlichen Kräfte führen soll. Den Höhepunkt der Dunklen Zeit bildete "Jul", die "Mutternacht".

Die Feier ging eigentlich 12 Nächte lang. Diese 12 Nächte nannte man auch die Raunächte. Jede Raunacht stand für einen Monat des Jahres und an diesen Tagen wurde das Orakel über das kommende Jahr befragt.

Legenden berichten von Tieren, die der menschlichen Sprache mächtig, über die Zukunft erzählen.

Wenn wir heute eine Krippe aufstellen, erinnert das an die alten Rituale zum Kontakt mit den sprechenden Tieren, die Schamanen seit jeher praktizieren, indem sie durch eine Höhle zu Ihren Krafttieren reisen und von diesen Rat und Hilfe erlangen.

Das Abbrennen von Weihrauch, Myrrhe oder anderem Räucherwerk diente als Schutz  bei der schamanischen Reise. Durch das Räuchern werden üble Geister abgewehrt, damit nur die guten  Geister (die wohlmeinenden sprechenden Tiere) dem Schamanen den richtigen Rat geben.

Heute erinnert das Ausräuchern von Haus und Stall in den ländlichen Gebieten noch an diese schamanischen Wurzeln. Bis in unsere Zeit hinein stand dahinter die Absicht böse Geister zu bannen!

Auch der Weihnachtsbaum ist ein uraltes Symbol, das von der katholischen Kirche trotz schwerer Verbote und Strafen nicht verdrängt werden konnte.

Ursprünglich war der Weihnachtsbaum ein Abbild des germanischen Weltenbaumes. Der Weltenbaum symbolisiert die Himmelsleiter!

Es heißt auch, dass in der Fichte ein weiblicher, mütterlich schützender Baumgeist wohne.

Wenn die Menschen zur "Weihe - Nacht" eine Tanne oder Fichte ins Haus holten, verehrten sie damit auch den  mütterlichen Waldschutzgeist. Das Schmücken des Baumes war ein Ritual zu Ehren des Weltenbaumes. Der Waldschutzgeist sollte damit gütig gestimmt werden...

"Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie grün sind Deine Blätter..."

Manchmal sieht man auf dem geschmückten Christbaum kleine Fliegenpilze. In der schamanischen Kultur unserer Vorfahren war der Fliegenpilz für die Schamanen ein heiliger Pilz. Sie nutzten die visionäre Kraft des Fliegenpilzes für ihre schamanische Reisen, für ihre visionären "Flüge" entlang des Weltenbaums in den "Himmel". 

Die wichtigste Person im Julfest ist der Weihnachtsmann!
Der Weihnachtsmann ist angezogen, wie das Männlein, das im Walde steht. Und der Weihnachtsmann kann fliegen...

Der fliegende Schamane reist über den Weltenbaum in den Himmel und bringt als Geschenke Weissagungen für das kommende Jahr mit!

Wenn wir am Abend der "Weihe - Nacht" den Weltenbaum schmücken, sollten die Kerzen nicht fehlen, denn wir feiern die Wiedergeburt des Lichtes. Und unter dem Weltenbaum platzieren wir Geschenke für unsere Lieben, zum Gedenken daran, dass wir an diesem Tag durch die große Mutter beschenkt werden, indem sie uns das Sonnenkind auf die Welt bringt.

Endgültig christianisiert wurde das Weihnachtsfest durch Martin Luther, der das "Weihe - Nachts - Fest" mit dem jüdischen Chanukka Fest in Verbindung brachte.
Chanukka bedeutet Weihung und ist ein Licht-Fest, das im Dezember gefeiert wird.  Martin Luther übersetzte das Wort "Chanukka" zunächst mit "Kirchweihe". Später wurde aus dem jüdischen Weihe- und Lichterfest die christliche "Weihe - Nacht", die Nacht der Geburt des Lichtes, die Geburt Christi.

 

Ähnliche Rituale können Sie selbst zu Weihnachten oder anderen Anlässen zelebrieren.

Sie finden passende Rituale in der Rubrik Kraftrituale...

Eine schöne "Weihe - Nacht" wünscht allen Lesern

Kurt Fenkart

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